Agiles Sprintlernen mit »in MEDIAS res«

Herausforderung

Die Digitalisierungsstrategien der Unternehmen stellen die Mitarbeitenden und die Verantwortlichen aus Organisations- und Personalentwicklung vor Herausforderungen, die mit ihren üblichen Lernangeboten nicht mehr zu bewältigen sind. Denn die Digitalisierung bringt für nahezu alle Beschäftigten eine Veränderung der Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Prozesse sowie einen  nachhaltig erhöhten Lern-Bedarf mit sich.

Lösungsansatz

»in MEDIAS res« heißt so viel wie »mitten in die Dinge hinein«. Dieses Prinzip wird über »Sprintlernen«, einer an der agilen Projektmanagementmethode Scrum orientierten Lernform, umgesetzt.  Das Sprintlernen sieht ein didaktisches  Rahmenmodell vor, das auf Selbststeuerung, Individualisierung, Arbeitsprozessorientierung, Aktivierung sowie reflexives, entdeckendes Lernen setzt. Die Organisation des Lernprozesses orientiert sich an Scrum und beschreibt Rollen, Events, Prozesse und Instrumente. Ausgehend davon werden schnell und unter Beteiligung dezentraler Akteure (bspw. Führungskräfte oder Fachexperten aus den Abteilungen) bedarfsorientierte, arbeitsplatznahe Lernangebote aufgesetzt.  

Vorgehen

Mit Unterstützung durch den Forschungspartner ZNL TransferZentrum für Neurowissenschaften und Lernen (Universität Ulm) entwickelt das Fraunhofer IAO das Sprintlernen als neue Lernform sowie als didaktisches Rahmenmodell unter besonderer Berücksichtigung der wissenschaftlich begründeten Anforderungen an

  • den Aufbau reflexiver Handlungskompetenzen (zur performanten Mediennutzung),
  • ein gelingendes Lernen,
  • den Aufbau von persönlichen Lerngestaltungskompetenzen.

Erprobt (und evaluierend begleitet) wird die neue Lernform des Scrum orientierten, agilen Sprintlernens in mehreren Lernszenarien. Umsetzungspartner sind dabei vier Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen – so entsteht ein umfassendes Bild zur Anwendung der Lernform des agilen Sprintlernens:

  • ANDREAS STIHL AG & Co. KG (Waiblingen) aus der Produktionswirtschaft,
  • BBBank e.G. (Karlsruhe) als Finanzdienstleister,
  • eXXcellent solutions GmbH (Ulm) aus der IT-Wirtschaft,
  • Marvecs GmbH (Ulm) als Pharma-Dienstleister.

Ziel ist es, das Sprintlernen dauerhaft als neues Lernangebot in den Unternehmen zu implementieren. Auf diese Weise sollen die Unternehmen, die eine Digitalisierungsstrategie verfolgen, in ihrem Transformationsprozess unterstützt werden.

Ergebnis

Im Laufe der dreijährigen Forschungsphase konnte die Lernform des agilen Sprintlernens über zwanzigmal erprobt und in 15 Anwendungen evaluierend begleitet werden. Auch Maßnahmen zur dauerhaften Implementierung des agilen Sprintlernens in den Unternehmen der Forschungspartner wurden verfolgt. So wurden 22 Mitarbeitende zu Sprintbegleitern qualifiziert (auf unterschiedlichem Niveau) und 11 Mitarbeitende auf ihre Tätigkeit zur Begleitung des agilen Sprintlernens als Fachexperten vorbereitet.


Noch in der geförderten Projektlaufzeit erfolgte ein intensiver Austausch mit dem Vorhaben »MeDiAL-4Q« (ebenfalls gefördert vom BMBF und mit Mitteln des ESF), das einen ähnlichen Ansatz verfolgte. Die Quintessenz aus den gesammelten Erfahrungen beider Vorhaben sind im Band »Agiles Lernen im Unternehmen« beschrieben. Der erste Teil beschreibt den Ansatz »Agiles Lernen im Unternehmen« umfassend. Im zweiten Teil werden sieben ausgewählte agile Lernprojekte aus sehr unterschiedlichen Unternehmen vorgestellt. Der dritte Teil beschreibt, worauf es zur Umsetzung des agilen Lernens ankommt und wie Unternehmen sich darauf vorbereiten können.